Ernst Franz Konar
- Geb. am: 12.08.1921
- Geburtsort: Wien
- Kategorie: Diplomstudiengang
- Heimatberechtigung: Wien (Wien),
Ernst Franz Konar war einer der beiden Söhne von Cäcilie (geb. 30. Juni 1892 in Wien, genannt Cilli) und des Chemikers und Kaufmännischen Beamten Josef Konar (geb. 13. Februar 1891 in Wien als Sohn von Mathias und Apollonia Konar), die 1919 in Wien geheiratet hatten. Obwohl weder er selber noch seine Eltern dem mosaischen Glauben angehörten, galt er nach nationalsozialistischer Auffassung als 'Mischling', weil seine Großeltern mütterlicherseits jüdischen Glaubens waren. Deshalb durfte Ernst Franz im Sommersemester 1941 nur unter Vorbehalt Lehrveranstaltungen an der Hochschule für Welthandel belegen, nachdem er eine Oberschule für Jungen im 20. Wiener Gemeindebezirk absolviert hatte. Ende November 1941 verweigerte das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung (Berlin) die Zulassung zum Studium. Daraufhin wurde Konar wegen "Abweisung des Mischlingsansuchens" im Dezember 1941 "amtlich exmatrikuliert". Mit der Begründung, dass seinem Bruder Walter (geb. 22. November 1919 in Wien) das Studium der Chemie an der Universität Wien gestattet worden war, reichte Konar bald darauf einen neuerlichen Antrag ein. Der Rektor der 'Welthandel', SS-Obersturmbannführer Kurt Knoll, wies in seiner Stellungnahme jedoch darauf hin, dass Walter trotz seines Status' als 'Mischling' nur deshalb zugelassen worden sei, weil er im Unterschied zu Ernst Franz sich freiwillig zur Wehrmacht gemeldet habe und in der Tschechoslowakei, Polen und Frankreich an der Front eingesetzt und mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden sei. Diese Argumentationshilfe griff das Ministerium gerne auf, Anfang Juni 1942 wurde Konars Antrag denn auch erneut zurückgewiesen.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Ernst Franz Konar sein Studium an der 'Welthandel' absolvieren; hierbei wurden ihm drei Semester als Wiedergutmachung anerkannt. Am 30. Juni 1946 erhielt er seine Diplomurkunde, am 13. Juli 1949 wurde er mit einer Dissertation mit dem Titel Die Finanzierung in der Betriebswirtschaft und ihre derzeitigen Möglichkeiten zum Doktor der Handelswissenschaften promoviert.
Bis Dezember 1943 wohnte Ernst Franz Konar in der elterlichen Wohnung Ospelgasse 27/2/9 (20. Wiener Gemeindebezirk), in der die Familie seit 1923 gemeldet war. Anschließend übersiedelte er in die Sonnenfelsgasse 11 (1. Gemeindebezirk). Er war verheiratet mit Gertrud (geb. 11. August 1936).
Seine Mutter Cäcilie wurde wegen ihrer jüdischen Eltern vom NS-Regime gezwungen, den standardisierten Vornamen Sara zu tragen. Vom NS-Regime wurde sie somit als „Jüdin“ im Sinne der Nürnberger Rassegesetze betrachtet, und wie alle anderen als „jüdisch“ qualifizierten Frauen sollte sie mit dem gesetzlich vorgeschriebenen zusätzlichen Vornamen Sara stigmatisiert und segregiert werden. Sein Vater Josef wiederum wurde am 19. Oktober 1944 in die Untersuchungshaftanstalt Wien I eingeliefert. Zuvor war Josef von der Staatspolizeileitstelle Wien der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet worden, die zwischen 1938 und 1945 ihren Sitz im ehemaligen Hotel Metropol am Morzinplatz 4 (1. Gemeindebezirk) hatte.
Drei Familienangehörige aus der mütterlichen Linie von Ernst Franz Konar wurden Opfer der Shoah:
- Seine Großmutter Debora Helfgott (geb. 17. Juni 1859, Mädchenname Scholem bzw. Eisenberg) hatte am 23. Oktober 1882 in ihrer Geburtsstadt Krakau/Kraków Arnold Helfgott (alias Anschel) geheiratet. In Wien wurde die Ehe am 17. Februar 1889 in der Leopoldstädter Synagoge (Tempelgasse 5, 2. Gemeindebezirk) konvalidiert, d.h. für gültig erklärt. Am 20. August 1942 wurde Debora von der Seegasse 9 (9. Gemeindebezirk), wo sich damals das Jüdische Spital von Wien befand, zum Wiener Aspangbahnhof verbracht. Von hier aus wurde die betagte Dame kurz nach 19:00 Uhr mit gut 1.000 weiteren Jüdinnen und Juden unter strenger Bewachung mit Zug Da 504 nach Theresienstadt/Terezín deportiert. Nach einer über zwölfstündigen Fahrt erreichte der Zug den Bahnhof des böhmischen Ortes Bohušovice nad Ohří/Bauschowitz an der Eger, von wo aus die meist älteren Personen (Durchschnittsalter: 69 Jahre) zu Fuß die restlichen drei Kilometer zum Ghetto und Konzentrationslager zurücklegen mussten. Hier starb die 83-jährige Frau am 28. September desselben Jahres.
- Wie viele andere Jüdinnen und Juden wurden Ernst Franzʼ Onkel Eduard Helfgott (geb. 11. August 1890 in Wien), der am 24. Dezember 1921 in Wien im Rahmen einer Ziviltrauung Paula (Mädchenname Hauser) geehelicht hatte, und dessen Tochter Susanne bzw. Zuzana (geb. 13. März 1926 in Gablonz a.d. Neiße/Jablonec nad Nisou, auch Suse genannt) von dem heute nicht mehr existierenden Haus in der Kelleyova 6 (5. Prager Gemeindebezirk), wo die Beiden registriert worden waren, nach Theresienstadt deportiert, und zwar am 27. Juli 1942. Von dort wurden Vater und Tochter am 4. August weiter nach Maly Trostinec (Reichskommissariat Ostland, heute Belarus) verbracht. Vermutlich wurden sie wie der überwiegende Teil der dorthin deportierten Jüdinnen und Juden bald nach der Ankunft des Zuges erschossen oder in Gaswagen erstickt. Beide haben jedenfalls das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht erlebt.
Ernst Franz Konar ist am 30. September 1979 im Alter von 58 Jahren verstorben, knapp eine Woche später wurde er auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet. Er wurde in demselben Grab bestattet, in dem seit 1970 seine Mutter und seit 1978 sein Vater ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Hier wurde am 3. Juli 2026 auch seine Frau Gertrud beigesetzt, die am 17. Juni im Alter von 89 Jahren gestorben war. Ernst Franz‘ Bruder Walter, der zum Doktor der Philosophie promoviert wurde, verstarb im März 2008 im Alter von 88 Jahren. Auch er fand auf dem Wiener Zentralfriedhof seine letzte Ruhestätte.
Der Name von Ernst Franz Konar befindet sich auf dem Mahnmal für die vom nationalsozialistischen Regime verfolgten Angehörigen der Hochschule für Welthandel, das am 8. Mai 2014 auf dem Campus der Wirtschaftsuniversität Wien eröffnet wurde.
Autor: Johannes Koll
Quellenhinweise
Wirtschaftsuniversität Wien, Universitätsarchiv, Studierendenkarteikarte.
Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik, 02 Unterricht, Kurator der wissenschaftlichen Hochschulen in Wien, Kart. 13, GZ 5201 ex 1941-1944.
Universitätsarchiv Wien, RA GZ 97/II ex 1943/44 nach Brief von Dr. Herbert Posch und Katharina Kniefacz (Universität Wien) an Dr. Johannes Koll (Wirtschaftsuniversität Wien) vom 13. Februar 2013.
Meldeauskünfte des Wiener Stadt- und Landesarchivs, GZ MA 8 – B-MEW – 788137/2013 (Josef Konar) und 178621/2014 (Ernst Franz Konar).
Opferdatenbank des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands zu Debora, Eduard und Zuzana Helfgott, http://www.doew.at [3. September 2026].
GenTeam. Die genealogische Datenbank, Index der jüdischen Matriken Wien und Niederösterreich zur Eheschließung von Debora und Arnold Helfgott, http://www.genteam.at [29. Juni 2026].
GenTeam. Die genealogische Datenbank, Die Ziviltrauungen in Wien zwischen 1870 und 1939 zur Eheschließung von Eduard und Paula Helfgott, http://www.genteam.at [29. Juni 2026].
Friedhöfe Wien, Verstorbenensuche zu Ernst Franz Konar, seinen Eltern und seiner Ehefrau: http://www.friedhoefewien.at/eportal/ [3. September 2026].